Donnerstag, 18. April 2024
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Finanzielle Unterstützung seit 100 Jahren

„Die goldenen Zeiten waren für uns die Jahre zu Kanzler Schmidts Zeiten“, erzählt Heinz Müller. 30 Jahre lang war er der Vorsitzende des 1923 gegründeten Vereins Begräbnishilfe Zündorf. Damals habe man für angelegtes Geld rund zehn Prozent Rendite bekommen. Das Kapital des Vereins sei so zwischenzeitlich auf bis zu einer halben Million Euro angestiegen.

Für den Gegenwert eines Kölsches habe man im Monat Mitglied sein können, so Müller. 16 Mark betrug der Jahresbeitrag. Und das für einen klaren Deal: War ein Mitglied aus dem Verein verstorben und die Angehörigen konnten sich die Bestattungskosten nicht leisten, so sprang die Begräbnishilfe ein.

Die Zeiten der Vollversicherung seien inzwischen vorbei, so Heinz Müllers Sohn Michael. Er ist heute Vorsitzender des Vereins. Dennoch helfe der Verein weiter Menschen, die die Kosten für die Bestattung nicht aufbringen könnten. Jetzt in Teilen und zu 18 Euro im Jahr.

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Eine Plakette ziert die von der Begräbnishilfe aufgestellte Bank. Foto: Göllnitz

Entstanden ist die Begräbnishilfe in den Zeiten der Hyperinflation. „Viele Menschen wussten damals nicht, wie sie ihre Verwandten unter die Erde bringen sollten“, berichtet Michael Müller. Damals habe es Begräbnishilfen in allen Orten rings um Zündorf herum gegeben, erzählt er. In Porz, Wahn, Urbach oder auch Westhoven. Heute sei das anders.

Auch die Zündorfer Begräbnishilfe habe längst nicht mehr die einstigen über 1.000 Mitglieder. Heute seien es rund 400, so Michael Müller. „Wir sind ein lokaler Verein in Zündorf. Aber wir sagen auch nicht nein, wenn jemand in Porz Hilfe braucht.“

Dabei dürfe mit dem eingenommenen Geld keinesfalls spekuliert werden, so Vater Heinz. So gebe es eine öffentliche Aufsicht über die Bezirksregierung. Es selbst ist über eine Tätigkeit in der Jugend für ein Bestattungsunternehmen zum Verein gestoßen und nennt das Amt eine Generationenfrage. Zudem stehe der Verein auch der Kirche nah. Auch deshalb, weil die Pfarrer der Gemeinde oft als Erste von finanziellen Engpässen erfahren hätten, so Michael Müller.

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Windgeschützt und direkt an der Kirche St. Michael steht die Bank. Foto: Göllnitz

Zum 100. Jahr des Bestehens hat die Begräbnishilfe nun auch eine Bank für den Friedhof Niederzündorf und direkt an der Kirche St. Michael beigesteuert. Finanziert über Vorstandsmitglied Willi Trompeter und als Angebot an die Angehörigen, die sich so auf dem Friedhof hinsetzen können. Und über die guten und schlechteren Taten in ihrem Leben nachdenken könnten, wie Heinz Müller scherzhaft feststellt.

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