Libur/Niederkassel – Als die Gründung des Zusammenschlusses vonstatten ging, habe der Nitratwert im Grundwasser bei 96 Milligramm pro Liter gelegen, erinnert sich der Niederkassel-Stockemer Landwirt Peter Capellmann. Das war 1986. Ende der 90er Jahre sei der Grenzwert auf 50 Milligramm gesenkt worden. Denn: Nitrat, zunächst ungefährlich und hilfreich für Pflanzen beim Wachsen, kann im Körper zum schädlichen Nitrit umgewandelt werden.

Heute liegt der Wert im Langeler Rhein-Bogen bei unter 20. Tendenz weiter sinkend, so der Landwirt. Capellmann ist seit den Anfangstagen des Kooperationszusammenschlusses „Drüber und Drunter“ mit dabei. Er und Landwirt Bernd Bulich, der seinen Hof unweit in Libur hat und heute Vorsitzender ist, sehen im Zusammenschluss ein Erfolgsprojekt mit Vorreiterfunktion. Bei „Drüber und Drunter“ tauschen sich Wasserversorger aus Köln und dem Rhein-Sieg-Kreis, zudem Landwirte aus. Zudem gebe es ein großes Netzwerk an Beratenden. So könne man innovativ und der Zeit voraus sein, so Bulich. Neue Techniken würden erprobt, Einsparmöglichkeiten für Ressourcen wie Diesel oder auch Dünger aufgedeckt und genutzt, erklärt Capellmann. Der Austausch findet immer auf Augenhöhe und vertrauensvoll statt. Schließlich hätten alle das gleiche Ziel: gesunde Böden, gesunde Lebensmittel und sauberes Wasser, so der Landwirt. Auch die Energieversorger RheinEnergie AG und Stadtwerke Niederkassel loben das Ziehen an einem Strang. In Sachen Nitratwerte hätten Industrie, Kommunen, Gesellschaft und Landwirte ihren Beitrag geleistet, um den Wert zu senken. Neben dem Düngen seien auch Abwässer, defekte Kanäle und alte Deponien damals Gründe für die hohen Werte gewesen, erinnert sich Capellmann.

Trotz sinkender Werte seien beide aber weiter daran interessiert, innovativ zu bleiben, so Bulich und Capellmann. So sind auf den Feldern beider derzeit Traktorengespanne unterwegs, die per GPS zentimetergenau gesteuert werden. Drohnen vermessen zuvor das zu bearbeitende Feld und spielen die Daten direkt maschinenfertig aus. Beikräuter könnten so genauer lokalisiert und Pflanzen gezielt gedüngt werden, erklärt Capellmann, der für den Drohnenflug einen Dienstleister beauftragt. Aktuell funktioniert die Technik besonders gut bei Pflanzen, die in klaren Reihen angepflanzt werden – etwa Mais oder Zuckerrüben. Auch über KI wird die Technik immer weiterentwickelt, so Bulich. Die Fortschritte seien insgesamt riesig in den letzten Jahren. Vor hundert Jahren seien es noch ein bisschen Metall und Pferde gewesen, mit denen die Felder bearbeitet worden seien, berichtet der Landwirt. Über „Drüber und Drunter“ könnten die Mitglieder des Netzwerkes Versuche durchführen und Innovationen testen, die man sich als Einzellandwirt gar nicht leisten könne, so Bulich. „Wir müssen bei großen Investitionen immer über mehrere Jahre schauen.“ „Das steckt so in uns Landwirten drin“, sagt auch Peter Capellmann.
