Er wolle in seiner Rede zum Neujahrsempfang den Blick weniger auf die Kölner, als auf die bundesweite Politik legen, so Karl-Heinz Miebach. Auch, weil sich in Köln in den letzten Jahren wenig getan habe. Konkret meint er schwierige Arbeitsbedingungen für das Handwerk, für das der ehemalige Vorsitzende des Vereins der Porzer Handwerksmeister spricht. „Das Handwerk und der Mittelstand sehen Zusammenarbeit, nicht Konfrontation“, so Miebach. Politisch fehle ihm in Köln diese Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft zum Wohle der Stadt, sagt er.
Im Sommer 2025 hatte Miebach nach vielen Jahren sein Amt als Vorsitzender des Vereins niedergelegt. Grund sei, wie er den Anwesenden im Rathaussaal erzählt, eine Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse. Miebachs Posten hat so André Urban übernommen. Wenngleich Miebach noch einmal eine seiner, für den Neujahrsempfang viele Jahre prägenden, Reden hält. Nach ihm folgen die Bundestagsabgeordneten Serap Güler und Thomas Rademacher, der an der Spitze der Handwerkskammer Köln steht, sowie Kölns Bürgermeisterin Teresa De Bellis-Olinger. Sie stellt in Aussicht, dass Köln handwerkerfreundlicher werden wolle. Aufträge unter einer gewissen Finanzschwelle müssten nicht mehr europaweit ausgeschrieben werden. „Ich möchte meinen Kollegen nahelegen, sich dann auch zu bewerben“, kommentiert André Urban. Nur dann könne man den Auftrag auch erhalten.
Rademacher indes fordert mehr Anerkennung und Stellenwert für die Ausbildung. Diese und ein Studium müssten als gleichwertig angesehen werden. Das duale Ausbildungssystem in Deutschland habe Seltenheitswert und sei besonders. Aus handwerklicher Sicht sehe auch er reichlich Verbesserungspotenzial, aber er blicke auch positiv nach vorne. Der Umschwung könne gelingen, so Rademacher. Es sei aber ein Marathon, Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte umzukehren.

Teresa De Bellis-Olinger. Foto: Göllnitz

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Er und auch Serap Güler loben den Neujahrsempfang der Handwerksmeister als einen Pflichttermin. „Eigentlich für all jene, die in Porz in irgendeiner Form aktiv sind“, so Güler. Sie werde aktuell verstärkt gefragt, ob die Welt aus den Fugen gerate. Auch zu Zeiten des Kalten Krieges sei sicher vieles nicht einfach gewesen, sagt die Bundestagsabgeordnete. Heute kommt hinzu, dass Freund und Feind immer unklarer werden.
Blickend auf den Neujahrsempfang lobt André Urban in Richtung der Auftretenden, dass das Format auch eines sei, bei dem Lösungsansätze für Probleme genannt würden.
Während des karnevalistischen Teils der Veranstaltung kam es bei einem Tanzauftritt zu einem Unfall. Ein Tanzmariechen verletzte sich nach einer Hebefigur am Knie und musste auf der Bühne medizinisch versorgt werden. Zum Rettungseinsatz wurde der Saal geräumt und die Veranstaltung im Foyer weitergeführt.