„Die Tatherrschaft ist entscheidend“, so Helene Gras-Nicknig. „Tut es ein anderer für mich, wenn ich nicht mehr kann, dann ist das aktiv und verboten.“ Gras-Nicknig, im Hauptberuf Anwältin, ist die Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Köln-Porz e. V. und damit Miteinladende zum inzwischen elften Porzer Hospiztag. Bei diesem geht es thematisch auch um Suizid und Sterbehilfe. Niemand müsse etwa in die Schweiz fahren, sagt sie. Auch in Deutschland sei Beihilfe zum Suizid möglich, so Gras-Nicknig. Passive Sterbehilfe durch etwa Medizinerinnen sei möglich, weiß auch Dr. Thomas Joist, Geschäftsführer vom Palliativteam SAPV Köln, und selbst als Palliativarzt tätig. Er fordert, dass es klare Strukturen für derartige Fälle geben müsse. Professionelle Beratung und Begleitung wünsche er sich, so Joist.
Ausrichtende des Hospiztages im Wahner Aegidium, bei dem der Tod als klassisches Tabuthema der Gesellschaft in vielen Formen angesprochen wird, sind neben dem Förderverein auch der Caritasverband der Stadt Köln e. V. Dabei sprechen die Akteure auf der Bühne unter der Moderation vom Porzer Kardiologie-Chefarzt Professor Dr. Marc Horlitz auch über Lösungsansätze zur Vermeidung eines Suizids.

„Ich habe erlebt, wie meine beste Freundin elendig zu Tode gekommen ist“, berichtet eine der Besucherinnen im Publikum. Sie werde sich daher bewusst die Option offenhalten, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. „Ob ich es dann tue, halte ich mir offen“, sagt sie. Über 70 Prozent der Menschen in Deutschland würden in einer Einrichtung oder dem Krankenhaus sterben, so Moderator Horlitz. An Peter Ströhmer, den Leiter des Caritas-Hospizes an St. Bartholomäus in Urbach, richtet er die Frage, ob daher der Wunsch käme, dass mehr und mehr Menschen anders aus dem Leben scheiden wollten. Dies sei ein Zeichen der Zeit, das man ernst nehmen müsse, so Ströhmer, dessen Hospiz vom Förderverein unterstützt wird. Sein Hospiz sei keine Pflegeeinrichtung, sondern eine Spezialeinrichtung für Menschen, die fortgeschrittene Erkrankungen hätten, die zum Tode führten.

Helene Gras-Nicknig ergänzt, dass in Deutschland das Bundesverfassungsgericht geurteilt habe, dass, solange ein Mensch autonom zu einer Entscheidungsfindung kommen könne, diesem auch freigestellt sei, aus dem Leben zu scheiden. Dennoch dürfe der Staat regulierend eingreifen. Marc Horlitz‘ Frage, inwieweit eine Begleitung durch eine Medizinerin dabei deren hippokratischen Eid widerspreche, beantworte Dr. Thomas Joist. „Wir entwickeln uns weiter. Wir machen auch keinen Aderlass mehr, den Hippokrates befürwortete“, sagt er.
Beim Hospiztag, der im kommenden Jahr womöglich eine weitere Auflage im Frühjahr bekommt, wurden zudem Patricia Tröska, Dorit Steiger und Gudrun Zell geehrt. Sie alle engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich im und für das Urbacher Hospiz.