Die ehemalige Bundesministerin und Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth habe ihre Teilnahme kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen, erzählt der evangelische Pfarrer Rolf Theobold den Anwesenden auf der Bahnhofstraße, direkt neben der Kirche St. Josef. Dafür seien allerdings all jene da, die von den Wahlplakaten draußen ihm derzeit täglich in die Küche seines Hauses schauten, scherzt Entertainer und Moderator Guido Cantz. Ähnlich wie Süssmuth habe auch Cantz ohne Zögern direkt seine Teilnahme zugesagt, verrät der zweite Moderator des rund einstündigen Open-Air-Programms, der katholische Diakon Matthias Gill. Rund zwei Woche vor den Kommunalwahlen in NRW hat der Arbeitskreis der Religionsgemeinschaften in Porz zur Veranstaltung eingeladen. Im Mittelpunkt, das Hervorheben und Feiern von Demokratie. „Demokratie ist eine Haltung. Es geht nicht nur um Stimmen und Zahlen“, so Theobold eingangs. Die Veranstaltung sei bewusst eine Kundgebung für Werte. Nicht gegen Menschen. Wenngleich jedoch Sorge mache, dass Menschen eben jene Demokratie teilweise in Frage stellten.

Auch Isil, Oberstufenschülerin der Lise-Meitner-Gesamtschule, schlägt in ihrem eigens verfassten Poetry Slam auch kritische Worte an. Demokratie gewähre dank Gesetzen Freiheiten. Aber dennoch gebe es auch Probleme, wie etwa das fehlende Wahlrecht ab 16 Jahren, ungleiche Bezahlung für Mann und Frau und Schwierigkeiten beim Wohnungsfinden für Menschen, deren Namen nicht deutsch klingen. Mitschüler Daniiel nennt Demokratie in seinem Poetry Slam „frische Luft zum Atmen“. Nicht nur vom Publikum in der Bahnhofstraße, auch von Guido Cantz gibt es Applaus. „Ich habe Gänsehaut gehabt“, kommentiert er die Vorträge beider. Er selbst habe das Gefühl, dass dieser Zeit viel Polemik unterwegs sei. „Man muss nicht die gleiche Meinung haben“, so Cantz. Aber man müsse die Form beim Diskutieren wahren. Man habe das Gefühl, jeder sei momentan mit Scheuklappen und nur für sich selbst unterwegs. „Aber Demokratie heißt zusammen“, so Cantz weiter. Wenn, so wie bei der Veranstaltung, alle Vertreterinnen der Religionsgemeinschaften Hand in Hand dastünden, habe man schon einige Probleme weniger, kommentiert der Entertainer.
Die Vertreterinnen hatten sich zuvor in kurzen Wortbeiträgen an das Publikum gewandt. Zudem gab es Live-Musik der Six8tyone Big Band. Heute seien alle da, um gemeinsam kräftig Ja zur Demokratie zu sagen, so Diakon Matthias Gill.

sie an St. Josef im Zentrum. Foto: Göllnitz